Der neue Mitarbeitende, den niemand eingestellt hat

In drei von vier Unternehmen arbeitet bereits eine künstliche Intelligenz, von der die Geschäftsleitung offiziell nichts weiss. 73 Prozent, erhoben von Microsoft im Mai 2026. Nur 28 Prozent der Unternehmen überwachen diesen Einsatz überhaupt.

Niemand hat diese Mitarbeiterin eingestellt. Niemand hat ihr erklärt, welche Unterlagen sie sehen darf und welche nicht. Sie ist einfach da, weil das Team sie brauchbar findet.

Das ist keine Technikgeschichte. Das ist eine Führungsgeschichte.

Was tatsächlich in die KI wandert

Mitarbeitende nutzen ChatGPT, Claude oder Copilot, um E-Mails zu formulieren, Protokolle zusammenzufassen und Unterlagen zu strukturieren. Das spart Zeit, und es funktioniert.

Nur landet dabei mehr im Eingabefeld als gedacht. Im Schnitt enthält jeder 28. Prompt sensible Informationen, 91 Prozent der Unternehmen sind davon betroffen. Ein Jahresabschluss zum Zusammenfassen. Eine Lohnliste, aus der eine Auswertung werden soll. Ein Vertragsentwurf, den jemand auf Verständlichkeit prüfen lässt.

Das passiert nicht aus Nachlässigkeit. Es passiert, weil es keinen vorgesehenen Weg gibt. Wer unter Zeitdruck steht und ein Werkzeug kennt, das hilft, benutzt es. Die Frage, wo die Daten danach liegen, stellt sich im Moment der Eingabe niemand.

Was KI gut kann und was nicht

Es wäre falsch, künstliche Intelligenz grundsätzlich als Risiko zu betrachten. Richtig eingesetzt übernimmt sie Fleissarbeit, liefert erste Entwürfe und bringt Struktur in umfangreiche Informationen. Sie arbeitet schnell und wird nicht müde.

Die Schweizer Bevölkerung sieht das ähnlich. Fast jede zweite Person, 48 Prozent, erwartet, dass die Chancen von KI in den nächsten fünf Jahren überwiegen. Gleichzeitig stellen 76 Prozent den Datenschutz über die Bequemlichkeit (DigitalBarometer 2026). Der Wunsch nach KI ist also da, aber nicht bedingungslos.

Was KI nicht kann: Sie kennt weder die Besonderheiten eines Kunden noch beurteilt sie die Plausibilität einer Bilanz. Und sie unterscheidet nicht zwischen einer belanglosen und einer hochsensiblen Datei. Der Marktforscher Gartner warnt vor genau diesem blinden Fleck: Wer alle KI-Anwendungen gleich behandelt, stuft den digitalen Assistenten am Ende gleich ein wie eine Sachbearbeiterin mit Zugriff auf sämtliche Kundendaten.

Nicht die KI entscheidet, welche Daten verarbeitet werden dürfen. Das entscheidet das Unternehmen, das sie einsetzt.

Vier Fragen vor dem ersten Prompt

Eine KI-Richtlinie muss kein Projekt sein. Vier Antworten genügen für den Anfang, und sie gehören auf eine Seite, die alle im Betrieb kennen.

  • Welche Anwendungen sind erlaubt?
  • Welche Daten dürfen hinein und welche nie?
  • Wer prüft die Resultate, bevor sie zum Kunden gehen?
  • Und wer trägt die Verantwortung, wenn etwas schiefläuft?

Wer diese vier Fragen beantwortet hat, hat mehr geregelt als die meisten. Wer sie nicht beantwortet, regelt sie trotzdem: Dann entscheidet jede und jeder für sich, und niemand weiss, wie.

Der EU-Bezug, den viele übersehen

Der EU AI Act gilt nicht automatisch für jedes Schweizer Unternehmen. Er greift aber, sobald KI-Ergebnisse im EU-Raum verwendet werden. Das kann eine Website sein, ein Chatbot, den auch Kundschaft aus der EU nutzt, oder eine Kampagne, die EU-Adressen erreicht.

Reiner Inlandgebrauch ohne EU-Bezug ist nicht erfasst. Es lohnt sich trotzdem, einmal hinzuschauen, wo im eigenen Betrieb ein solcher Bezug entstehen könnte. Meistens ist es das Marketing, nicht die Buchhaltung.

Wie bei jedem neuen Teammitglied

Wer KI wie eine neue Mitarbeiterin behandelt, macht es richtig. Sie ist fleissig, vielseitig und entwickelt sich schnell. Über den Erfolg entscheidet aber nicht das Potenzial, sondern die Einführung: klare Regeln, eine saubere Übergabe und jemand, der hinschaut.

Fachwissen, Erfahrung und Verantwortung bleiben beim Menschen. Daran ändert kein Modell etwas.

Einfach reden

Wer wissen will, welche KI-Werkzeuge im eigenen Betrieb bereits im Einsatz sind und wie sich das in vier Sätzen regeln lässt, kann das gerne mit Oliver Hunziker besprechen. Kein Fragebogen, kein Verkaufsgespräch. Einfach ein Gespräch